RITTERVERLAG
Verlag für Kunst und Literatur


Herbst 2010

Sebastian Kiefer

„Dichte ich in Worten, wenn ich denke?“ – Ferdinand Schmatz oder: Nur der „Avantgardist“ kann Romantiker sein

ISBN: 978-3-85415-460-0
Preis: € 18,90
ca. 250 Seiten, brosch., Herbst 2010

Wenn wir eine Diskussion führen, einen Vortrag hören, uns selbst oder einen anderen Menschen zu beschreiben versuchen, einen Zeitungsartikel oder einen Vers lesen – was geschieht in unserem Geist, während wir sprechen und andere (oder uns selbst) sprechen hören?
Die Dichtung von Ferdinand Schmatz kann wie keine sonst diese Prozesse des Bewusstseins beim Sprechen zurückholen. In seinen Gedichten sehen wir nicht durch das Bewusstsein und die Sprache “hindurch” auf die Dinge; wir benutzen Sprache nicht, um etwas zu “bezeichnen”. Der Leser nimmt mit Leib und Ohren wahr, wie sich eine “Außenwelt” aus dem vielstimmigen Geschehen allererst herausbildet – aber nie ganz das Tönen, Tasten und leibliche Tun verleugnet, aus der sie hervorgegangen ist.
Es sind alte Träume von einem Zustand, in dem Sprachlogik und Leib, Selbst und Ding noch keine unvereinbaren Sphären waren, die den “Avantgardismus” des Dichters Ferdinand Schmatz hervorbrachten. Diese Dichtung, eine der ganz wenigen, die einen eigenständigen Begriff von Sprachkunst heute geschaffen haben, lehrt lustvoll: Nur wer die exakte Erforschung der Bewusstseinsfunktionen während des Sprechens nicht scheut, kann jene alten poetischen Träume heute wahr machen – ohne Regression, Attitüde und Wiederholungszwang.
Ein zentrales Anliegen des Essays von Sebastian Kiefer über Ferdinand Schmatz besteht nun auch darin, jene teils verschütteten Zusammenhänge zwischen Avantgarde und Romantik sichtbar zu machen. Kiefers beeindruckende Argumentation erschließt dem Leser sein eigenes, oft verdrängtes Empfindungs- und Vorstellungsvermögen während des Lesens. Analyse ist hier keine “Interpretation”, sondern eine Anleitung zur gesteigerten und verfeinerten Wahrnehmungsempfindung. Zuletzt erhellen sich Ferdinand Schmatz’ Gebilde aus sich selbst.

Sebastian Kiefer

Sebastian Kiefer Sebastian Kiefer, geb. 1961, hat in Berlin Literaturwissenschaft, Philosophie und Musikpädagogik studiert, lebt als Dozent und Essayist ebenda. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Musik, Dichtung, Philosophie und bildenden Kunst.
Sein intensiv diskutiertes Buch „Was kann Literatur?“ (2006) machte ihn einem breiteren Publikum bekannt.


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