RITTERVERLAG
Verlag für Kunst und Literatur


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dadasophin

Still dialing Alice

ISBN: 978-3-85415-445-7
Buchpreis: € 18.90
208 Seiten, broschiert, erschienen 2009

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„Ich werde als Archiv nicht die Totalität der Texte bezeichnen, die für eine Zivilisation aufbewahrt wurden, noch die Gesamtheit ihrer Spuren, die man nach ihrem Untergang retten konnte, sondern das Spiel der Regeln, die in einer Kultur das Auftreten und das Verschwinden von Aussagen, ihr kurzes Überdauern und ihre Auslöschung, ihre paradoxe Existenz als Ereignisse und als Dinge bestimmen.“
(Michel Foucault)

Ab 1936 widmete sich Marcel Duchamp der Idee eines transportablen Künstlermuseums, der Boîte en valise, die er 1941 schließlich als limi- tierte Luxusausgabe herausbrachte: Ein Koffer, in dem komplexe Falt- systeme ca. 80 miniaturisierten Reproduktionen duchamp’schen Kunst- schaffens Platz boten, „jederzeit verfügbar und vorzeigbar“, ein Prototyp des mobilen Archivs.

STILL DIALING ALICE riskiert den Blick in die archivarische Schachtel, macht das Buch zum Musterkoffer und umgeht damit Duchamps Klappef- fekt, die Textschachtel (Buch) zu einem Museum umzufunktionieren. Denn nicht das Archiv ist die Grenzfigur, die den Text erst archivfähig macht, sondern der Archivar und seine archivarische Arbeit. Die dadasophische Archeologie widmet sich genau dieser unbekannten Arbeit am Text: Sie folgt den Spuren der Texte (Archivalien) mit dem archivarischen Blick und wird erst im Gebrauch aktiv. Sie stellt die Archivreife der Texte fest, erschließt, registriert, erstellt einen Index - das Findbuch, bearbeitet und entfernt Textteile, die nicht archivwürdig sind, führt sie der Kassation zu, ganz nach dem Muster der alten Schachtel.

Die dadasophische Archeologie stellt den Archivar als Steuermann direkt in den Text und beobachtet ihn in seiner Welt der machtvollen Steuerzei- chen. Nicht nur er blickt in die archivarische Schachtel wie der potentielle Käufer in den Musterkoffer, auch der Leser. Schließlich ist das dadaso- phische Archiv nicht nur ein ausgeklügeltes Faltensystem, bei näherem Hinsehen und im Regalfall auch Sargdeckel.

„über kurz kurz lang. I WOULD REFER NOT TO. CU CANDIDE! DU BIST IN DEN RESTEN ALLER MÖGLICHEN TEXTE. was SIE weg neh- men nennen. ist ködern. unter den bedingungen eines steigenden TEXT_STANDARDS erscheint die nichtübereinstimmung mit dem literarischen system als solchem sinnlos. eine TEXT_BOMBE hat dich getroffen. erfahrungsgemäß endet dein fall auf. SIE FELDSTE- CHER! immer schön das auge offen halten! streichholzkoma wie!“

dadasophin aka Sylvia Egger

dadasophin aka Sylvia Egger geboren 1967 in Salzburg. Studium in Salzburg und Berlin, lebt und arbeitet als Webproducer seit 1999 in Köln.
Von 1993–2002 in der Redaktion von perspektive – hefte für zeitgenössische literatur.
Ab 2003 net.art und essayistische Arbeiten.
Folgen Sie ihr in twitter@baargeld.


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