RITTERVERLAG
Verlag für Kunst und Literatur


Literatur Essays

Fritz Widhalm

Warum starb der schöne Mann?

ISBN: 978-3-85415-310-8
Buchpreis: € 13.90
160 Seiten, broschiert, erschienen 2001

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Warum starb der schöne Mann?

Kein Kriminalroman,
von dem ganz Wien spricht.

„Es war die große Sensation meines Lebens. Ich kam in die große Stadt, so arglos wie ein Neugeborener. Das besagte eindeutig der Ausweis in meiner Handtasche. Abend für Abend erstrahlte die Schönheit seines nackten Körpers. Er sollte einen Auftrag erledigen, und – bei dieser Gelegenheit: Bumm. Kurz darauf stand ich seinem toten Abbild gegenüber. Als schöner Mann ließ er sich von Männern feiern und bewundern. Neunzig Minuten nach meiner Ankunft war er tot.“

Ein experimenteller Autor schreibt „Kein Kriminalroman!“ Nach monatelangem Betrachten von drittklassigen Kriminalfilmen im TV und tagelangem Abhören dabei mitgeschnittener Kassetten entschließt sich unser Autor, keinen Kriminalroman zu schreiben. Zunächst hat er einen gewaltigen Stapel Kriminalcomix und Groschenhefte zu verdauen; – nach dem Kopieren, Schneiden und Montieren des Prototyps von „Ein Kriminalroman“ entsteht unter seinem Messer „Kein Kriminalroman“.

Alle Elemente, die einen Krimi ausmachen – ein positiver Held, der sich zur Identifikation anbietet; eine heterosexuelle Begierde, die des öfteren die Grenzen zwischen Gut und Böse überschreitet; eine Polizei, die an der Verbrechensaufklärung mit der nötigen Konzentration und dem nötigen Interesse arbeitet; wirklich böse Menschen mit wirklich bösen Zielen, die dafür über Leichen gehen und sich manchmal selbst in Leichen verwandeln oder schlußendlich ins Gefängnis übersiedeln – müssen, um „Kein Kriminalroman“ schreiben zu können, folgerichtig in ihr Negativ verkehrt werden.

Der Held, die Heldin, die bösen Menschen und bösen Ziele werden zu einer austauschbaren Menge. Der Einzelne, die Einzelne können eine Seite lang als geliebt und durchaus sympathisch gelesen und schon beim Umblättern in das genaue Gegenteil verschrieben werden, oder gar verschwinden – um ein paar Seiten später als nichtssagende Langeweiler wieder aufgeschrieben zu werden. Die heterosexuelle Begierde wird in ein Überangebot aller möglichen und unmöglichen Praktiken um- und ausgeschrieben – und die Polizei läßt Leiche Leiche sein und geht Spaghettiessen.

Fritz Widhalm

Fritz Widhalm Fritz Widhalm, geb. 1956 in Gaisberg, NÖ, als Autor und Herausgeber der Zeitschrift WOHNZIMMER u. der Edition DAS FRÖHLICHE WOHNZIMMER in Wien. Musik mit der Gruppe DAS FRÖHLICHE WOHNZIMMER (CD 1986-1996). Zahlreiche Veröffentlichungen in Zeitschriften, Anthologien u. im ORF. Produktionen fürs ORF-Kunstradio und Super-8-Filme.


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