RITTERVERLAG
Verlag für Kunst und Literatur


Antiquarische Bücher

Irmgard Bohunovsky-Bärnthaler

Kulturpolitik – Demokratische Legitimation zur Aufklärung?

ISBN: 978-3-85415-372-6
Buchpreis: € 15.90
192 Seiten, SW-Abbildungen, broschiert, erschienen 2005

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Inwiefern hat Kulturpolitik mit Aufklärung zu tun? Kulturpolitik ist in gewisser Weise aus der Aufklärung entstanden, und beide haben sich im 19. Jahrhundert eng verbunden. Toleranz, freier und gleicher Zugang zu kritischem Denken, Schönheit und ästhetischer Arbeit, Freiheit des künstlerischen Denkens und Ausdrucks, Kunst als Bildung sind Grundwerte der aufklärerischen Vorstellung von Kultur.

Kunst als Bildung hat sich dann im Verlauf des 19. Jahrhunderts als integraler Bestandteil des Demokratieverständnisses durchgesetzt, sei es dass man Kunst als Erlernung kritischen Protestverhaltens verstand oder der Kunst die Kraft zusprach, gemeinsame gesellschaftliche Werte vermitteln zu können. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts durchquerte diese Vorstellung nahezu jedes künstlerische Werk. Delacroix und Manet waren aufklärerisch-emanzipatorisch im liberalen Sinn, Ingres aufklärerisch-hierarchisch ausgerichtet. Man könnte die gesamte Kunst des 19. Jahrhunderts unter diesem Gesichtspunkt neu betrachten. Das reicht bis zur gesellschaftlichen und ästhetischen Utopie des Jugendstils im Wiener Fin de Siècle des ausgehenden Habsburger Reichs.

Die Idee der Kulturpolitik entstand im Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts im Zusammenhang der Entwicklung der demokratischen Idee. Demokratie und Kulturpolitik berufen sich seither aufeinander. Das kann auch gefährlich werden, wenn Kulturpolitik – wie im Nationalsozialismus - als Erziehung der breiten Bevölkerungsmehrheit mit einem antiaufklärerischen Kunstbegriff betrieben wird. Seit 1945 erleben wir zwei unterschiedliche historische Abschnitte. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verstanden sich so gut wie alle Demokratien auf einen aufklärerischen Begriff der Kulturpolitik - das war so selbstverständlich, dass man davon gar nicht mehr eigens sprach. Vor fünfzehn Jahren kamen verschiedene Wortführer auf, die populistische und plebiszitäre Reflexe gegen den aufklärerischen Begriff von Kultur und Kulturpolitik setzten. Das Resultat ist eine Art Flächenbrand, mit dem ein populistisches Klima in der Kulturpolitik in Europa allgegenwärtig wurde.

(aus dem Inhalt: Robert Fleck, Kulturpolitik - Demokratische Legitimation zur Aufklärung?)

Mit Beiträgen von: Erhard BUSEK, Robert FLECK, Hermann GLASER, Günther HÖDL, Rainer METZGER, Barbara PUTZ-PLECKO, Lioba REDDEKER, Siegfried J. SCHMIDT, Wolfgang ULLRICH, Manfred WAGNER

Irmgard Bohunovsky-Bärnthaler

Irmgard Bohunovsky-Bärnthaler Geb. in Tarvis, Italien. Studium in Wien und Mainz. 1964 Promotion;
1966 Dr.-Leopold-Kunschak-Preis für Geschichte und Organisation der Vaterländischen Front, erschienen 1972 im Europa-Verlag
1965 bis 1971 Leitung des Kulturamtes der Stadt Klagenfurt
1971 bis 1975 journalistische Tätigkeit bei der EWG in Brüssel
1979 Gründung der Galerie Carinthia;
Wissenschaftliche und publizistische Tätigkeit, Schwerpunkt Kulturpolitik.


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