Jörg Piringer
verbrenner
ISBN: 978-3-85415-687-1232 Seiten, brosch., erschienen 2025
Jörg Piringers verbrenner mäandert als Redestrom durch die Wortfelder von Brand und Feuer, Zerstörung und Asche, aber auch von Löschen, Überschwemmung und Ertrinken. Analog zu den sich immer weiter ausbreitenden Bränden folgt die Textbewegung rhetorischen Gesten der Steigerung und Vermehrung und akzentuiert solcherart auch die ökonomische oder sozialpsychologische Dimension des Begriffs „Verbrennen“. In der Verbindung mit dokumentarischen Quellen zu Brandbeschleunigern, Flammenwerfern, Brandschutzbestimmungen oder Brandverletzungen verdichten sich die ausgebreiteten Katastrophenerzählungen zu einem hyperreal-dystopischen Komplex.
Urban Legends von selbstentzündenden Bäumen und Menschen, Rezepte von Scheiterhaufen (Dessert) und H-Bomben oder Erinnerungen an Jan Palach und andere Selbstverbrennungsaktivisten geben zusammen ein Panorama von brandgefährlichen Zusammenhängen und Atmosphären. Das Spiel mit Fakt und Fiktion, das der Computerkünstler und Autor Jörg Piringer durch den Einsatz einer sich verselbständigenden KI zusätzlich befeuert, eskaliert in Vorstellungen, die heute allgegenwärtige Tendenzen konsequent weiterdenken: in der Abwehr von immer mehr Verbrennenden durch immer höhere Brandmauern, während Hunderte Untergegangene am Boden des Mittelmeers nach Europa wandern.
In seinem verbrenner gewinnt Jörg Piringer aus einem abgegrenzten lexikalischen Reservoir die Energie, ein poetisches Feuerwerk von brennender Aktualität zu zünden.
Aus den unscheinbarsten Materialien schlägt dieser Sprachmagier 2.0 erstaunlichste Funken.
(Ronald Pohl, Der Standard)
Wenn derzeit von der Literatur weder Kritik noch Hoffnung zu erwarten sind, dann scheint es für sie doch immerhin noch für einen fulminanten Abgesang à la „verbrenner“ zu reichen. Piringer gelingt dieses Kunststück vor allem mithilfe von Wiederholungsfiguren, vor allem mit der Paronomasie, die wie der Brandbeschleuniger seines Sprachspiels aus dem Material eines einzelnen Wortes ganze Verszusammenhänge zu entzünden versteht.
(Christian Metz, FAZ)
Eine Hoffnung besteht vielleicht darin, dass der Mensch wieder mehr Zugang zu seinen spielerischen Elementen erhält, und in diesem Sinn hat Jörg Piringer eine Vorlage geschaffen, die trotz ihres dystopischen Tons kleine Vergnügungen in sich birgt.
(Linda Stift, Die Presse)
Der US-amerikanische Dichter John Berryman behauptete in seinem Gedichtband The Dream Songs (1969) ketzerisch: „The only happy people in the world / are those who do not have to write long poems“. Im Fall Jörg Piringers ist vom Gegenteil auszugehen – und glücklich ist erst recht sein Lesepublikum über dieses Langgedicht.
(Alexander Kluy, Literaturhaus Wien)



