Hanno Millesi

Primavera

ISBN: 978-3-85415-309-2

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152 Seiten, brosch., neuwertig, erschienen 2001


Millesis Sprache scheint direkt vom Blick abgeleitet – einem Blick aufs Sichtbare, dem fortwährend die totale Fiktion, was sich dahinter verbergen könnte, zur Seite steht.

„Als sie erwachte, blickte sie in den Lauf einer karbonstählernen Handfeuerwaffe, deren Sicherungshebel in einem Winkel von neunzig Grad zum Laufansatz stand. Die Abzugsstangensicherung hielt das Auftreffen des Hahns auf den Schlagbolzen zurück, ehe der Abzug betätigt werden konnte.“

Der Prosatext Primavera kreist um die Schilderung einer Metamorphose und berührt auf seiner Bahn so verschiedene und entgegensetzte Trabanten wie Versatzstücke einer Kriminalgeschichte, die Beschreibung eines Liebesaktes, Facetten einer medizinischen Bestandsaufnahme und eines klassischen Bildungsromans. Die gewalttätige Ästhetik der Technik, das Blutbad, die analytische Annäherung an die Empfindung, die körperliche Sensation und die Schönheit des Verfalls münden in eine spannungsgeladene Explosion, eine vibrierende Ekstase im Delirium klassischer Kunst.

„Die Waffe als eine ihrem Leben bislang unbekannte Vokabel, deren Präsenz Garant dafür schien, daß man sich außerhalb eines irgendwie logischen Zusammenhanges befinden mußte, in einer Märchenwelt, mitten in der Stunde der großen Befreiung.“

Die Erzählstruktur ist dialektisch. Das Trash-Szenario gerät in die Sphären einer Auseinandersetzung mit bildender Kunst, die körperliche Vereinigung schwankt zwischen der Intimität eines emotionalen Geständnisses und der Kühle eines Obduktionsberichtes. Der Lauf der Waffe entpuppt sich als Ganglion in eine surreale Umgebung. Die Geschwindigkeit steigert sich von der geduldigen Verhaltenheit einer detaillierten Beschreibung zur Halsüberkopf-Dynamik, die ihrerseits in der – exzessiver Beobachtung ausgesetzten – Starre der Bildoberfläche endet.

„Es ist das Dilemma und gleichzeitig eines der Charakteristika des Wegs in die Ekstase, daß keiner der ausschlaggebenden Schritte überlegt ausgeführt wird. Ein überlegter Schritt, der sich das Terrain besieht, auf dem er ausgeführt werden soll, der in eine bestimmte Richtung eingeschlagen wird, der aus Nachdenken resultiert, ein Schritt, der zurückverfolgt werden kann, ist für diesen Weg nicht geeignet.“


Hanno Millesi

* 1966 in Wien,
österreichischer Künstler und Schriftsteller

Studium der Kunstgeschichte an den Universiäten Wien und Graz, Promotion,
1992-1999 Assistent bei Hermann Nitsch,
1999-2001 freier Mitarbeiter im Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig in Wien.
Zahlreiche Auszeichnungen u.a. 2017 Reinhard-Priessnitz-Preis

Bisher erschienene Titel im Ritter Verlag:

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