Franzobel

Der Schwalbenkönig oder Die kleine Kunst der Fußball-Exerzitie

ISBN: 978-3-85415-386-3

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170 Seiten, Hartband mit SU, erschienen 2006


Ist Fußball Ersatzreligion? Nein, Fußball ist Religion. Nicht umsonst spricht man vom Hinpilgern zum Heiligen Rasen, vom Glauben an die Mannschaft, von Gelb-Rot-Sündern, Ewigkeit, gottgleichen Spielern, Hexenkesseln, Erlösern und den Wundern, die im Katholizismus von Gott kommen, gegen die Ordnung der Natur, augenfällig und zur Stärkung des Glaubens sein müssen, so daß weder Hexe, noch Zauberer, sehr wohl aber ein Kicker Wunder wirken kann. Die Pokale und Meisterschaftsteller gleichen den Monstranzen, Schiedsrichter sind moderne Meßdiener, Ballbuben Ministranten, der Ball das Kreuz, Dressen die Soutanen, Kutten, Fernsehstudios wie Beichtstühle, Stadien die neuen Kirchen, Garderoben Sakristeien, VIP-Plätze wie Galerien in der Kirche, Mannschaftsposter Heiligenbilder, Chips und Bier die neue Form von Hostie und Wein.

Von der messianischen Sendung so manch eines Fußballers oder Fans einmal abgesehen, geht Franzobel mit gewohnter Sprachakrobatik und –raffinesse Fragen nach, die der wahre Fußballiebhaber oder –hasser schon immer beantwortet haben wollte:

Was passiert, wenn im Prater die Veilchen verwelken? … Allerdings ist mit Verschwörungstheorien schon derart viel Unfug angerichtet worden, daß es sympathischer ist, die zusammenkauften Spieler einfach als moderne Form des Heiratsschwindlers anzusehen, als Ausläufer eines aussterbenden Berufs …

Wie ist es möglich, daß Spieler oder Trainer, die einem eigentlich immer halbwegs sympathisch gewesen sind, lediglich durch ihren Wechsel zum FC Bayern München, als ekelhafte, arrogante, geldgierige Fieslinge erscheinen? Es scheint, als würde da eine ungeheuerliche, zumindest temporär wirkende Barbayrisierung stattfinden, die auf bis dato unbefleckte Fußballer oder Trainer die ganze schleimige Ahnengalerie bayrischer Hochmütigkeitsfirnis leckt. …

Die WM fängt an, und Österreich ist nicht dabei, mit einem Wort, wird es fad? Glaub ich nicht, wir können ja immer noch darauf hoffen, daß die Deutschen möglichst bald ausscheiden!


Franzobel

* 1967 in Vöcklabruck, Oberösterreich

1986-1994 Studium der Germanistik und Geschichte in Wien
Seit 1989 freier Schriftsteller,
bis 1991 als bildender Künstler tätig.

Zahlreiche Auszeichnungen und Preise u.a.
1995 den Ingeborg-Bachmann-Preis,
1998 Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor,
2002 den Arthur-Schnitzler-Preis,
2021 nominiert auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis.

Inselschreiber auf Sylt und Stadtschreiber in Split, Weißenburg in Bayern und Dresden.

Franzobel lebt in Wien.

Foto:©MMR, RitterGallery

Bisher erschienene Titel im Ritter Verlag:

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