Eberhard Häfner

GEIGENHARZ. Gedichte

ISBN: 978-3-85415-346-7

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104 Seiten, brosch., erschienen 2003


Eberhard Häfners Dichtung ist sicher ein singuläres Ereignis in der deutschsprachigen Lyriklandschaft, denn wie kaum ein anderer Poet hält er Versraffinesse, sprachtheoretisch grundierten Anspruch auf Poetizität, lustgestütztes Begängnis im Ungeahnten in der Balance.
(Peter Geist)

Vom Kehrwert des Betrachtens

Menschen kann ich mir von hinten
und von Angesicht zu Angesicht
denken was den Dingen eigentümlich
meist widersinnige Gedanken
können niemals nicht Besitz erzwingen
ohne zu verlieren den Standard an die Form
weder von hinten diese Position gefunden
noch von vorne sah ich jäh den Baum
anders als ein Traum ihn deutet

Wer wissen will, was die Seelen der Zwerge und Riesen / der Trolle und Elfen beispielweise mit der Quantenphysik gemein haben, wer sich in die wortwörtlichen Abenteuer und letzten Rätsel von Elfen- und Menschengeschlechtern verstricken lassen will, der greife zum neuen Gedichtband des Erzpoeten Eberhard Häfner. Der nun erschafft, nach einer Selbstauskunft, archetypische Figuren, die in einer Zone erwachen, in der die Logik der Sprache aus dem Kontext der gesellschaftsfähigen Syntax herausfällt, aber sich poetisch anders wieder einbindet. Was das für die neuen Gedichte Häfners für Konsequenzen zeitigt?

Vor allem dies: Ursprüngliche Wort- und Satzbedeutungen werden in Rösselsprung, Rochade oder Damengambit versetzt, von ihrer Verweislast entbunden und in Zauber, Luftigkeit und lautspielerischen Luxus erlöst, so dass Der Worte kleinste Teilchen / Splitter von Sternen die Sinne erreichen, wie es im Gedicht Ex im Kurs der Sprache trefflich auf den Punkt gebracht wird. Dafür überlagert der Dichter wörtliche und übertragene Bedeutungen, vernetzt metaphysische, vitale und poetische Segmente, verdrillt Wechselwirkungen zwischen Textur und Schöpfung, wie im Zyklus Prädikament die Signalworte Form und Webervogel: in allen Dingen existiert der Streit / die Form zu wahren oder zu schwinden / dann Trauer zeigen, eine Möglichkeit / sofern der Webervogel steigt / entsteht im Abendrot ein Gobelin.


Eberhard Häfner

* 1941 in Steinbach-Hallenberg, Thüringer Wald (D),
deutscher Schriftsteller

Ausbildung als Kupfer- und Silberschmied sowie Metallformgestalter,
bis 1987 als Restaurator in Erfurt tätig,
danach Umzug nach Ost-Berlin, seitdem freier Schriftsteller.

1989 3sat-Stipendium beim Ingeborg-Bachmann-Preis,
1991 Alfred-Döblin-Stpendium,
1992 und 1995 Arbeitsstipendien der Stiftung KulturFonds,
1994 und 2007 Arbeitsstipendien des Berliner Senats
u.a.

Bisher erschienene Titel im Ritter Verlag:

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