Karin Ivancsics

Wanda wartet, Ein Triptychon

ISBN: 978-3-85415-244-6

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160 Seiten, brosch., neuwertig, erschienen 1999


Strassenszenen auf den offenen Flügeln (Freiwild bzw. freie Bahn) und getroffene Frauen im geschlossenen Raum. Karin Ivancsics positioniert ihr Tafelbild als Rechenmaschine „verflochtener Verbrechen“ zwischen Mann und Frau.

„Hast du dich wieder herumgetrieben, fragt sie sich, hört sie jemanden fragen, der die Farbreste auf ihrem hellgrauen Regenmantel identifiziert, entdeckt hat, rosarot und weißer Mörtel, mit einem Maurer hast du’s wohl getrieben, was?, war’s der Geselle oder der Meister?“

(1) Linker Flügel (Addition): Die Herumtreiberin im ersten Teil der Geschichte ist durchaus ein „Mädchen mit Geheimnis“. Die Waren, Dinge und Menschen, die ihr über den Weg laufen und in die Arme fallen, sind nicht unbedingt spektakulär, aber eindeutig von dieser Welt. Oder doch von einer anderen? Oder andersrum? Wanda fliegt durch die Passagen, durchmißt den leeren Raum der Stadt, rettet ihre Haut.

(2) Kern, Tafel (Multiplikation, Division): Vom Offenen der Straße in den Unort der Anstalt: Im Mittelteil des Triptychons in Warteräumen begegnen wir sieben Frauen in der Sterilität einer Abtreibungsklinik. Gemeinsam, getrennt, werden Sekunden, Minuten gezählt. – Im Zeitfluß der Erinnerung treffen sich die inneren Stimmen mit jenen aus den Hinterhöfen: ‚Proteste‘, ‚Beseelungen‘, ‚Märchen‘, ‚Täterprofile‘ und ‚Andere Clubs‘. Ein Theaterstück mit fast sprachlosen Akteurinnen, wobei das Nicht-Sprechen-Können von der Autorin mittels Collagen, Interviews und Schlagzeilen in Szene gesetzt wird.

(3) Rechter Flügel (Subtraktion): Abrechnung, Aufbruch. – Leere Kabine nennt Karin Ivancsics den letzten Teil des Buches und wieder ist es eine vereinzelte Spielfigur im Text, diesmal „Madame“, die auf den urbanen Kanten zwischen Innen- und Außenwelt wandelt. Das Fest ist vorüber, die Fenster werden geöffnet, die Gäste und Liebhaber aus dem Kopf gejagt und Madame zieht Bilanz!

„Ich muß zugeben: Früher war ich ein besserer Soldat. Früher fiel mir das Zählen leichter. Ich konnte Sternbilder berechnen und Mondphasen, den Weg von Ameisen. Ich war ganz gut im Berechnen von Plus und Minus, Schattenlängen und Flußläufen. Brücken konnte ich abschätzen, bis in die Zentimeter genau.
Mit einer Taschenlampe in der Hand, die Batterie vorm Weggehen noch ausgetauscht, erneuert, schlage ich mich durch das Dickicht. Suche ich nach dem Weg. Die Straße ist breiter als länger. Zypressen rechts und links, und vorwärts, Marsch! Die Zypressen geben mir Halt. Sie sind mir vertraut. Der Weg ist von Frauen gesäumt, deren Gesichter ich nur sehr schwach durch den Nebel wahrnehmen kann. Aber sie sind da. Eine der Frauen kämpft mit einem Zyklopen, der sie mit dem Blick seines einzigen Auges vernichten will. Er hat Pfauenfedern um seine Stirn geschnallt. Die reißt sie ihm jetzt aus. Sie wird es schon schaffen. Eine andere legt ihre Hände an die Ohren. Und besingt ihr eigenes Blut.
Es ist gut zu wissen, daß sie alle da sind. Es ist gut, daß überhaupt jemand da ist.“


Karin Ivancsics

* 1962 in St. Michael im Burgenland (A),
österreichische Schriftstellerin

Ivancsics studierte Germanistik und Romanistik an der Universität Wien und besuchte einen Lehrgang für Werbung und Verkauf an der Wirtschaftsuniversiät Wien.
1986-1989 war sie Lektorin im Wiener Frauenverlag und arbeitete bei Kulturinstitutionen, Buch- und Zeitschriftenverlagen.
Seit 1994 freie Schriftstellerin.
Mehrere Stipendien und Auszeichnungen, u.a. Aufenthaltsstipendium des Berliner Senats im Literarischen Colloquium Berlin, Österreichisches Staatsstipendium und den Hertha-Kräftner-Preis gemeinsam mit Andreas Okopenko.

Karin Ivancsics lebt seit 1980 in Wien.

Bisher erschienene Titel im Ritter Verlag:

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