Irmgard Bohunovsky-Bärnthaler

Künstler, Kritiker, Vermittler, Rezipient. Über Abgründe an Grenzen.

ISBN: 978-3-85415-354-2

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232 Seiten, S/W-Abb., brosch., neuwertig, erschienen 2004


(…) Daß sie Kunst sind, können die Bilder nicht von sich aus erwirken. Es bedarf der Autorisierung von außen. Es bedarf der Autorisierung in jenem Prozeß der Auslegung, der Interpretation und des Verstehens, der letztlich darin seinen Abschluß findet, daß etwas Kunst genannt wird. Andererseits ist man gerade dadurch, daß man verstehen will und zu interpretieren beginnt, bereits disponiert, Kunst wahrzunehmen. Kunst ist es, wenn man es als solche wahrnimmt. Mit der Hermeneutik entsteht auch eine neuartige Sensibilität dafür, was man als Zirkelschluß kennt. Er ist der methodologische Preis und der psychologische Gewinn der Kunst in ihrer Verwiesenheit auf die Auslegung. Der hermeneutische Zirkel zieht seine Kreise um eine Mitte, in der der Kunstbegriff sitzt, der unbewegte Beweger der ästhetischen Moderne: Die Kunst der Auslegung findet ihre Konzentration in der Auslegung als Kunst.

Von zwei Seiten her bedarf Kunst, und im Grunde genommen müßte man das Wort stets in Anführung benutzen, in der Moderne einer völlig neuartigen Grundlegung. Zum einen ist eine im Kollektivsingular gehandhabte Kunst von keiner Technik, keinem Metier und keiner Virtuosität mehr zu fassen und zu definieren. Zum anderen wird Interpretation selbst zu einer Technik, einem Metier und einer Virtuosität, die Kunst definiert. Der Gegenstand – das Gemälde, das Objekt, die Skulptur – und seine Auslegung – die Interpretation, die Kritik, die akademischen Diziplinen der Kunstgeschichte und der Ästhetik, aber auch das schlichte Darüberreden – fügen sich zusammen zu dem, was die Moderne unter Kunst versteht. (…)
(aus dem Inhalt: Rainer Metzger, Was ist Kunst? Wann ist Kunst?)

Vortragsband zum 5. Symposium im Stift Ossiach am Ossiacher See in Kärnten,
herausgegeben von Irmgard Bohunovsky-Bärnthaler

Mit Beiträgen von:
Rainer Metzger Was ist Kunst? Wann ist Kunst? Anmerkungen zum Nominalismus der Moderne,
Michaela Wolf Zur Übersetzbarkeit kultureller Prozesse – Grenzwanderung,
Hanno Rauterberg Die Krise der Kunst als Krise der Kunstkritik,
Christoph Tannert Der Kurator am Scheideweg – Kuratorische Praxis in der Amüsiergesellschaft,
Harry Walter Kann die Vermittlung von Kunst selbst (eine) Kunst sein?,
Matthias Boeckl Was leistet Architektur? Bemerkungen zur Architekturkommunikation im Neoliberalismus,
Boris Podrecca Der offene Raum,
Maria-Charlotte Hoffmann Der plastische Imperativ als Wahrnehmungskategorie,
Wolfgang Ullrich Kunst in der Wirtschaft – Wirtschaft durch Kunst? Analyse einer Grenzüberschreitung,
Franz Erhard Walther Die Werkentstehung ist die Vermittlung,
Gerald Matt Zwischen Distinktion und Kommunikation – Kunstinstitutionen in der Mediengesellschaft


Irmgard Bohunovsky-Bärnthaler

* 1939 in Tarvisio, Italien,
österreichische Historikerin, Galeristin und Autorin.

Ab 1960 Studium der Geschichte, Germanistik, Philosophie, Völkerkunde und Kunstgeschichte an der Universität Wien,
1964 Promotion,
1966 Dr.-Leopold-Kunschak-Preis,
1965-1971 Leitung des Kulturamtes der Stadt Klagenfurt,
1971-1975 journalistische Tätigkeit bei der EWG in Brüssel,
1979 Gründung der Galerie Carinthia;
Wissenschaftliche und publizistische Tätigkeit, Schwerpunkt Kulturpolitik.

Bisher erschienene Titel im Ritter Verlag:

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